Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein.

VON DER KUNST ZU STERBEN

   

Ein ungewöhnliches Aufführungsereignis - eine alchemistische Mischung aus Theater und Ritual. Dargeboten werden authentische Todesgedichte von Zenmeistern des 13. - 18. Jahrhunderts. Die Zen-Buddhisten übten das Sterben schon zu Lebzeiten in ritueller Form, um Meister des Sterbens zu werden. Ihre letzten Worte beschäftigen sich mit der "Rückkehr zur Quelle" und entfalten eine Ahnung der Dimension des Raumes jenseits der Persönlichkeit. Tod und Transformation werden in 13 Objekttheaterszenen veranschaulicht und erinnern an die Vergänglichkeit des eigenen Körpers.

Die Inspirationen von mehreren Japanreisen und einer zehnjährigen Zenpraxis führten zu der Entwicklung einer Theaterform, die eine Symbiose aus Objekttheater, rituellen und meditativen Elementen darstellt.

Dieses Stück kann auch in Erweiterung mit dem Musiker Dieter Halbach gebucht werden, der zwischen den einzelnen Szenen Zen-inspirierte Sequenzen spielt.

youtube-link:  http://www.youtube.com/watch?v=Jhww74bDEFM 

 

Die Gedichte:

Zwischen Himmel und Erde treibend
Rufe ich in den Osten und verwandle ihn in den Westen.
Ich schwinge meinen Stab und kehre noch einmal zurück
Zu meiner Quelle.

                                                Shun`Oku Soen 9.2.1611

Voller Wandlungen sind meine 53 Jahre gewesen.
Ich kommentierte die heiligen Schriften – eine schwere Sünde,
Die von den Himmeln widerhallt.
Jetzt werde ich segeln auf dem Lotosblütensee
Und in den Wasserhimmel tauchen.

                                                Tetsugen Doko 22.3.1682

30 Jahre und mehr
Arbeitete ich, mein Selbst auf den Nullpunkt zu bringen.
Jetzt springe ich den Sprung des Todes.
Der Boden wird aufgewühlt
Die Himmel wirbeln herum. 

                                                          Rankei Doryu 1278 

70 Jahre und mehr
Habe ich das Leben ausgekostet bis zum Äußersten.
Uringestank klebt mir an den Knochen.
Was macht das alles aus?
Ho! Wohin kehre ich zurück?
Über dem Gipfel wird das Mondlicht immer weißer
Ein klarer Wind weht. 

                                                     Tosui Unkei 19.9.1623

Zur Hölle mit dem Wind!
Verdammter Regen!
Ich erkenne keinen Buddha an!
Ein Schlag wie der Blitz –
Eine Welt dreht sich in ihrer Angel. 

                                              Nampo Jomyo 29.12.1308

Einatmen, ausatmen
Vor, zurück
Leben, sterben
Pfeile, abgeschossen von einem zum anderen
Treffen sich in der Mitte des Weges
Und schneiden die Leere in ziellosem Flug –
So kehre ich zurück zur Quelle. 

                                                  Gesshu Soko 10.1.1696

Wenn es kommt – einfach so!
Wenn es geht – einfach so!
Beides, kommen und gehen ereignet sich tagtäglich.
Die Worte, die ich gerade spreche – einfach so!

                                                  Musho Josho 15.5.1306

Eine Melodie aus Nicht-Sein
Füllt die Leere:
Frühlingssonne
Schneeweiße
Helle Wolken
Klarer Wind.

                            Daido Ich`I 26.2.1370

Jetzt betrachte ich den wahrhaftigen Moment
Sogar Buddha ist wie vom Donner gerührt.
Alles dreht sich mit einem Schwung.
Ich lande auf der Ebene des Nichts. 

                                                     Tetto Giko 15.5.1369 

Hier im Schatten des Todes ist es schwer
Das letzte Wort zu sprechen.
So sage ich nur,
„Nicht sagen“
Nichts weiter
Nichts weiter. 

                                                   Dokyo Etan 6.10.1721

Sitzend von hier gehen oder stehend ist einerlei.
Alles, was ich zurücklassen werde
Ist ein Haufen Knochen.
Im leeren Raum kreise ich und schwebe
Und gehe nieder mit tosendem Donner
In die See.

                                              Koho Kennichi 20.10.1316

„Meister! Ich weiß ja, dass in dieser Welt alles vergänglich ist.
Aber wo soll ich denn die Ewigkeit suchen?“
„Hier direkt vor deinen Augen.“
„Wo vor meinen Augen? Was soll das heißen?“
„Wenn du dein Selbst besiegt hast,
steigt sogar aus dem Feuer Kühle auf.“

                                          Kaisen Shoki zu einem Schüler